26.08.2025
Bürgerinitiative aus Bützfleth wehrt sich gegen positives Votum des Stadtrats und sieht Aufklärungsbedarf bei Ratsmitgliedern
von Anping Richter
Stade. Die Firma Hansekraft will in Bützfleth das größte Altholzkraftwerk Deutschlands bauen. Die Bürgerinitiative Bützfleth lehnt die Pläne ab - und hält die Stader für zu wenig informiert. „Die Bürger fühlen sich nicht informiert und sind über die Dimension der Anlage überrascht und über die möglichen Auswirkungen erschrocken“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative für eine umweltverträgliche Industrie Bützfleth (BIB). Schon im Januar hatte es eine gut besuchte Informationsveranstaltung mit Vertretern der Firma Hansekraft in der Bützflether Sporthalle gegeben. Doch die BIB sieht trotzdem noch großen Aufklärungsbedarf. Deshalb lädt sie alle Interessierten für Dienstag, 2. September, ab 19 Uhr ein ins Gasthaus von Stemm, Kirchstraße 11 in Bützfleth.
Bürgerinitiative sieht noch großen Aufklärungsbedarf
„Leider hat die Hansekraft bisher mit ihren falschen Versprechungen zur Nachhaltigkeit und der positiven Haltung zur industrielen Holzverbrennung nicht zur sachlichen Information beigetragen, sondern im Gegenteil für Irritationen und
letztlich für zunehmende Zweifel an der Seriosität der gesamten Planung gesorgt“, erklärt Dr. Jan Witt, Sprecher der BI in Bützfleth.
Aus der Gemeinde kämen immer noch sehr grundsätzliche Fragen zu den Planungen auf
Bützflethersand. Die BIB appelliert an die Hansekraft, sich zu Fachgesprächen bereitzuerklären, um Missverständnisse und Fehlinformationen noch vor dem Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSCHG) auszuräumen.
Großen Informationsbedarf sieht die BIB auch bei den Ratsmitgliedern, die sich „mehrheitlich ebenfalls nicht wirklich mit den Hintergründen der Anlage befasst haben und sich mit dem kommunalen Einvernehmen erneut von der Stadt die Verantwortung zuschieben lassen“.
Die seit Jahren verschleppte Bauleitplanung werde der Stadt auf die Füße fallen, sagt Witt und prophezeit eine juristische Niederlage. Sie seien nach wie vor bereit, den Fraktionen im Stadtrat ihre Vorbehalte zu erläutern und die Sachfragen auch rechtlich prüfen zu lassen. Doch keine Fraktion habe bisher einen Termin angeboten.
„Viele StaderInnen wissen gar nichts von dem Kraftwerk und seinen Folgen“, schreibt die BIB. Dabei gingen die Wirkungen auf die Umwelt weit über Bützfleth hinaus. Vertreter der Umweltorganisationen Nabu, Robin Wood und Biofuelwatch werden bei der Veranstaltung dabei sein und die BIB mit Argumenten und Hintergründen unterstützen. Die Informationsveranstaltung wolle eine Basis für Diskussionen auf sachlicher und fachlicher Ebene schaffen.
Hansekraft versendet Info-Papier
Wie berichtet, hatten Umweltverbände bereits öffentlich Stellung bezogen. Laut Nabu könnn vor allem das eigentliche Ziel der Wärmeplanung, nämlich die Dekarbonisierung der Wärme, mit einem Holzkraftwerk nur auf dem Papier erreicht werden.
Denn bei der Holzverbrennung werde in Wirklichkeit mindestens genauso viel CO2 freigesetzt, als wenn Kohle verbrannt würde.
Die Hansekraft hat indes ein Papier mit Gegenargumenten verfasst. Sie führt unter anderem an, dass die Nutzung von Altholz kein Fällen weiterer Bäume erfordere - „gerade, weil auch in unserem Biomasseheizkraftwerk der Vorrang der stofflichen Nutzung von Altholz explizit befürwortet wird und daher nur solches Altholz energetisch genutzt wird, welches keiner sinnvollen stofflichen Verwertung mehr zugeführt werden kann“. Damit bleibe der Wald als Kohlenstoffsenke erhalten, die Biodiversität werde nicht zusätzlich belastet.
Die BIB hofft auf „viele Teilnehmer und eine gute, sachliche Diskussion“ am 2. September. Eintritt frei.